Zweiländer-Wein - Vin des deux rives

Der 2007er Wein aus badischen Grauburgunder- und Elsässer Rieslingtrauben.
Schiffsfüllung am 9.Juli 2008
Es war der Höhepunkt in der Ernte des 2007er Jahrganges: die gemeinsame Lese mit unserem Freund und Kollegen Francois Meyer aus Blienschwiller im Elsass.

Die Idee dazu war freilich älter, nahm aber nach einigen Gesprächen im Laufe des Sommers mit der Lese am 22.September 2007 Gestalt an: Zuerst ernteten wir frühmorgens Grauburgunder in unseren Markgräfler Weinbergen, der Heitersheimer Sonnhohle, von 24 jährigen Reben auf Löss-Lehm-Boden. Mit der Hälfte davon fuhren wir direkt rüber ins benachbarte Elsass. Dort halfen wir unserm Kollegen entsprechend Riesling zu lesen: in der Parzelle Bachstreng, einem sandigen Granitverwitterungsboden mit Ton-Untergrund in der direkten Nachbarschaft des Grand Cru Wintzenberg.
Unser badisch – elsässischer Erntetrupp, das dürfen wir nicht verschweigen, feierte selbstverständlich gleich im Anschluss mitten in den Rebbergen mit Blick über das Rheintal hinüber ins Badische und nach Heitersheim. Wir genossen ausgiebig die Herbstsonne zu Baeckaoffa, Käse und Wein von beiden Seiten des Rheines …
Die eine Hälfte der elsässischen Trauben kam bei Francois gemeinsam mit unserem badischen Lesegut in die Kelter, die zweite nahmen wir mit nach Heitersheim, wo sie noch am gleichen Tag mit unseren Grauburgundern auf die Presse kamen.

Die gleiche Traubenmischung, also jeweils zur Hälfte badische und elsässische Trauben, wurde sowohl im Weingut Zähringer als auch im Weingut Meyer gekeltert und eingelagert.
Im Anschluss gärten zwei grenzüberschreitende Cuvées, deren Existenz weinrechtlich zwar schwer zu kategorisieren ist, real aber nun doch existieren.
Einige Sonderbewilligungen hat es benötigt: was praktisch durchaus machbar, ist nach den weinrechtlichen Bestimmungen noch lange nicht ohne weiteres möglich. Und einige Fragen sind auch heute noch offen …
Besonders spannend war die erste gemeinsame Probe der zwei Weine im Frühjahr: interessant die ideale Verbindung de fruchtig-säurebetonten Riesling Eigenschaften mit dem Körper- und Fülle schaffenden Grauburgunder-Potenzial. Schon in der ersten Vergleichsprobe konnten wir feststellen, dass die zwei Weine durchaus gleiche Charaktereigenschaften zeigen, jedoch mit feinen Nuancen. Die schönste Harmonie und Vielfalt, zu diesem Ergebnis sind wir auch bei weiteren Verkostungen gekommen, zeigt das Cuvée aus beiden Weinen! Also eine Cuvée aus den zwei Weinen, die ja bereits schon aus einer Assemblage von Trauben entstanden ist.
Der Entschluss stand rasch fest: vor der Füllung werden diese zwei Wein ein weiteres Mal vereint. Um den grenzüberschreitenden Charakter des Projektes nochmals zu betonen, befanden wir diese Weine auf neutralem Terrain, direkt auf der Grenze, in der Mitte zwischen Blienschwiller und Heitersheim, auf dem Rhein zu cuvetieren und auf die Flaschen zu ziehen. Und so wie das Ereignis bei der Lese gefeiert worden ist, so wird auch die Füllung am 9. Juli 2008 als Begegnung der Mitarbeiter und Freunde des Hauses beider beteiligten Weingüter sowie der ideellen Unterstützer gefeiert.
Die Erzeugung dieses Zwei-Länder-Weines oder Vin des deux rives hat vorweg symbolischen Charakter und ist gerade deswegen auch von vielen Freunden dies- und jenseits des Rheines unterstützt worden. Die Idee, schon vor längerer Zeit bei einer Probe von Zähringer-Weinen im Elsass entstanden, wurde in der Folge vor allem von Michel Jolidon unterstützt, der sich für den kulturellen Austausch im Dreiländereck u.a. vor allem im Rahmen des Internetportals www.regio.fr engagiert.
Ideelle Unterstützung kam darüber hinaus von der elsässischen Tageszeitung L’Alsace und deren Chefredakteur Francis Laffon.
Einerseits wollen wir die Verbindungen über den Rhein stärken, andererseits soll dieses Projekt dazu beitragen, die kulturellen Eigenheiten der zwei benachbarten Regionen besser verstehen zu lernen. Gerade in dieser Hinsicht konnten wir in den vergangenen Monaten viele neue Erfahrungen machen.
Ein erheblicher Teil des Erlöses soll wiederum auch grenzüberschreitend zur Unterstützung der Wasserversorgung in einem Projekt in Senegal dienen. Bürgermeister der Stadt Waoundé ,Sadio Cisse, der sich derzeit in Frankreich aufhält, ist zu unserer Schiffsfüllung aus diesem Grunde eingeladen.
„Eine klare, ehrliche hellgrüne Farbe mit leicht strohgelbem Nuancen und schönen Reflexen“ stellt Serge Dubs, Sommelierweltmeister von 1989, fest, der den Wein am 2. Juli in der Auberge de l’Ill in Illhaeusern probiert hat. Gerne gibt der President der Französischen Sommelier-Union seinen Kommentar: „Sein Bukett ist klar und sauber. Sein floraler Anteil wird bestimmt durch Frühlingsblumen, durch Holunder und Weißdorn. Er atmet auch Düfte von Zitrusfrüchten, insbesondere grüne Zitrone, sowie grünen Apfel aus. Die Nase ist sehr frisch. Man riecht seine Lebendigkeit, die bereits ankündigt, dass er sehr angenehm zu trinken ist.
Im Gaumen ist es ein trockener Wein. Es findet sich neben seiner Vollmundigkeit ein gutes Säuregerüst, leicht zu trinken und erfrischend. Seine Nervosität wird durch den ausgewogenen Körper balanciert. Das geht zweifelsohne auf das Zusammenspiel mit dem Grauburgunder zurück, der die Lebendigkeit und den Charakter vom Riesling ausgleicht. Das Ensemble ist sehr angenehm, wohlschmeckend, gefällig und bereits vollkommen trinkreif.
Zu trinken mit allen Fischen aus Meer oder Fluss, zum Beispiel geräuchertem Aal. Es ist ein Wein des Sommers!“

Das Motiv für die Weinetiketten bildet eine stilisierte Traube, deren Beeren in den Landesfarben Frankreichs und Deutschlands koloriert sind.

Füllung des Zweiländer-Weins auf einem Rheinschiff und Versteigerung der ersten Flasche.



