Gold-Auszeichnung beim Piwi-Weinpreis 2011

Piwi-Weinpreis 2011

Beim Internationalen Bioweinpreis 2011 erreichte der 2010 Johanniter aus unserem Weingut die Auszeichnung Gold mit 90 PAR-Punkten. Lesen Sie hier die Pressemitteilung zur Prämierung.

Herbstpost

Herbst im Weinberg

Lesen Sie hier als .pdf unsere Herbstpost mit aktuellen Angeboten

Kundenweinlese 2011

Wir schreiben den 1. Oktober und haben jetzt keine Angst mehr. Wovor wir überhaupt Angst hatten? Na davor, dass keine Trauben mehr im Weinberg hängen werden, wenn all die motivierten und weinbegeisterten Menschen von teils sehr weit her anreisen, um uns an diesem Tag bei der Weinlese tatkräftig zu unterstützen und sich somit ein Erlebnis der besonderen Art zu gönnen. Wir hatten diesen Termin bereits vor einigen Monaten festgeklopft, in der Erwartung dies würde ein ganz normales Weinjahr. Doch als wir dann Anfang September feststellten wie früh wir in diesem Jahr mit der Weinlese dran sind, begannen doch die Sorgen, es könnte womöglich bis zum Oktober alles „gelaufen“ sein - und was wird dann aus der Gästeweinlese?
Doch dann entfaltete sich dieser wundervoll warme und trockene September, wir konnten so manchen Trauben noch einige Tage mehr dieses goldenen Frühherbstes gönnen um in aller Ruhe noch ein wenig mehr zu reifen. Keine Feuchtigkeit, keine Fäulnis, alles gut.
So haben nun die angereisten HelferInnen das Glück, den Klassiker des Markgräflerlandes mit uns einzuholen:
…König Gutedel
…und das bei Königswetter!
Topgesund und mit weit über 70 Grad Oechsle wartet er auf uns. 50 Freunde des Weins und des Weinguts plus unserer bescheidenen Kernmannschaft fahren mit Hilfer unserer kreativen Mobiltätsplanung zum „Häuslestück“.

Bei einer Lese mit 60 Menschen muss denn auch die Logistik stimmen und so sieht unser Hektar Gutedel, der doch sonst maschinell gesehen eher Ruhe und Schonung gewohnt ist (so halten wir’s im ökologischen Weinbau) fast ein wenig aus wie ein Fuhrpark, denn 3 Traktoren gleichzeitig fahren die Bottiche durch die Zeilen, in die unsere Mannschaft ihre Leseeimer entleert. Richtig was los!

Der zuerst noch angenehm kühle Morgen entwickelt sich zunehmend in einen mehr als spätsommerlichen Tag, die Schatten werden kürzer, die Schweißperlen größer, doch - und hier ein ganz großes Lob an die vielen Helfer und Helferinnen - kein Laut des Murrens ist zu hören. Vielleicht knurrt hier und da ein Magen, doch das Mitagessen lässt nicht lang auf sich warten.

Wir bleiben unserer Tradition treu, indem wir den Wein verkosten, den wir gerade lesen (naja, vom letzten Jahr natürlich) und genießen gut gekühlten Gutedel zu Gulasch und Spätzle an einer herrlich langen Tafel mit Blick auf die Gipfel des Südschwarzwaldes. Dazu lauschen wir den Ausführungen Paulin Köpfers über diese einzigartige Landschaft und über den ökologischen Weinbau, den wir dank seiner Hingabe und Pionierarbeit bereits seit den 80er Jahren betreiben.

Dann geht es weiter und wir regen die Verdauung mit dem Endspurt in Sachen Weinlese an, denn die Mannschaft ist tatsächlich wesentlich schneller als erhofft und bereits zu Kaffee und süßen Teilchen können wir für unsere Freunde den Arbeitstag als gemeistert ansehen. Über 10 Tonnen Gutedel sind geherbstet!

Für uns selbst geht es noch eine Weile, denn die Trauben wollen natürlich direkt verarbeitet werden. Unsere 50 Gäste bekommen als Belohnung einen Sektempfang im Weingut, eine Kellerführung und eine Weinprobe der Spitzenklasse mit großen und ganz großen Gewächsen des Hauses begleitet von ausgewählten Käsesorten des Markgräfler Landes. Uns hat das viel Spaß gemacht – wir hoffen allen Beteiligten auch!

Vielen Dank für die Hilfe und hoffentlich bis nächstes Jahr – wir freuen uns drauf!

Aus dem Lese-Tagebuch unserer Azubis & Praktikanten

Lesetag 20 - Spätburgunder
Der letzte Herbsttag – ein komisches Gefühl entfaltet sich im Leserherz, als man sich bewusst wird, dass heute die Lese ihr endgültiges Ende finden wird. Kaum zu glauben wie schnell die letzten Wochen verflogen sind. Wochen voller Intensität und Anstrengung, Genuss und Naturverbundenheit, Sonnenschein und frischer Luft. Draußen sitzen wir, erschöpft und erleichtert. Geredet wird nicht viel, denn alle sind versunken in Gedanken. Lassen die Lese Revue passieren, spüren um sich herum die Brise, die durchs Weinlaub bläst, die Erde unter den Füßen. Grashalme kitzeln sanft die braungebrannten Beine. Muskeln, die man nie glaubte überhaupt zu besitzen, tun einem weh. Doch das scheint keinen so recht zu stören. Es herrschen Stille und Zufriedenheit. Die lange und harte Arbeit, die wir gemeinsam verrichteten, hat uns irgendwie zusammengeschweißt. Neue Azubis lachen mit den alten Winzern. Es herrschen keine Verständnisprobleme zwischen den Hiesigen und manch einem freundlichen Gastarbeiter. Selten vertragen sich Heiterkeit und Melancholie so gut wie am heutigen Tag.
Das verdiente Glas Wein nach vollendeter Arbeit wird inzwischen von jedem, der an der Lese beteiligt war, anders wahrgenommen als je zuvor. Langsam beginnt man zu begreifen, was alles geschehen muss, was getan werden muss, wie viel Sorgfalt und Leidenschaft investiert werden müssen, bevor ein Wein überhaupt ins Glas fließen kann.

Ende des letzten Lesetag 2011

Lesetag 19 – Chardonnay SZ, Weissburgunder & Cabernet Mitos
Langsam neigt sich der weinbauliche Herbst dem Ende zu und mit ein bisschen Wehmut im Herzen nahmen wir den vorletzten Lesetag in Angriff – einer der wohl abwechslungsreichsten Tage der Ernte. Drei verschiedene Rebsorten, breiteten sich vor unserem geistigen Auge aus: Chardonnay, Weißburgunder und Cabernet Mitos. Der Chardonnay, sowie der Weißburgunder waren schnell gelesen, da in beiden Parzellen eine Vorlese durchgeführt wurde. Außerdem boten sich unseren Rebscheren traumhafte Trauben zum „herbschten“ an und da wir ja nun schon etwas Übung hatten, hingen ehe wir uns versahen keine Träubchen mehr in den Reihen. Dafür waren die Lesekisten voll von fetten, saftigen Beeren.
Ganz besonders viel Spaß bereitete uns der Cabernet Mitos ganz am Ende. Die Färbertraube bescherte unserer Kleidung einen neuen Look – Mitos-Rot die neue Herbstfarbe für den modebewussten Lesehelfer. Einige erwischte es auch im Gesicht und an den Armen. Was aussah wie die Spuren eines wilden Kampfes, waren eigentlich nur die Hinterlassenschaften kleiner Neckereien mit dem einen oder anderen Mitos-Beerchen.

Andrea

Lesetag 18 – Spätburgunder
„Auf in die Sonnenhohle!” Hieß es am Mittwoch. Langsam geht es dem Ende entgegen. Heute lesen wir das vorletzte Mal Spätburgunder, der den größten Teil unserer Rebfläche einnimmt. Von 70% Burgunder-Sorten-Anteil an der Gesamtrebffläche, gehören 40% alleine dem Spätburgunder. Alle waren im Endspurt-Fieber und die Stimmung erreichte schnell ihren Höhepunkt. Die „dezente“, unverkennbare Lache unseres Ausbilders, Volker Girods, war durch alle Zeilen zu hören und weckte wahrscheinlich so einige Betberger mal wieder aus ihrem Mittagsschlaf.

Volker

Nach 17 sonnigen Lesetagen war unsere Haut dick wie Leder und brauner als die eines echten Indianers. Müde Krieger gibt es bei uns nicht. Zwar kämpfen wir nicht mit dem Colt oder sogar Lasso, sondern mit Rebscheren und Lesekisten! Mit so einem Enthusiasmus können die Zähringer Weine 2011 nur erstklassig werden. Endspurt – die Spannung steigt!

Lesetag 17 – Spätburgunder
Nach einem überraschenden freien Lesemontag versammelten sich die fleißigen „Herbster“ und „Herbsterinnen“ zum erneuten Mal in allmorgendlicher Frische auf dem Weingut. Schnell packten wir noch die restliche Sachen und vor allem die „Rebscherlen“ ein und drückten uns gemeinsam in den “Bully“ (unser stetiger Begleiter in den Reben) und fuhren raus zu den Spätburgunder Reben im „Gumpistloch“. Auch wenn es etwas eng war – so blieben wir alle warm.

Wie schon die ganzen letzten 14 Lesetage durfte auch diesmal der Hüter der Reben nicht fehlen. „Acki“, der wohl schönste weiße Schäferhund, begleitete uns sicher durch jeden Tag.

Acki

Auch wenn er seiner Rolle als Wachhund nicht immer nachkommt, hat er sich, scheu wie er ist, in unsere Herzen geschlichen. Ein Lesetag ohne „Acki“ ist wie ein Winzer ohne Reben. Zu unserem Glück war auch das grandiose Wetter mit von der Partie. Alles perfekte Voraussetzungen für einen unvergesslichen Wein.

Lesetage 15 und 16 - Spätburgunder
Wenn ich in Retrospektive darüber nachdenke, wie wir zu Anfang der diesjährigen Lese unsicher jede Traube musterten und jeder Rat von Paulin Köpfer und Volker Girod dankend entgegengenommen wurde, staune ich über die bisherigen Fortschritte. Deutlich schneller werden inzwischen Trauben vom Stock getrennt, unter die Lupe genommen, zugeschnitten und die Lesekisten gelegt. Auch wenn es manch einem alteingesessenen Winzer noch immer nicht schnell genug voran geht, scheint Reihe nach Reihe, Parzelle nach Parzelle immer rascher fertig zu werden. Und so langsam bekommt man eine gute Übersicht, über das was bereits an fertigen Trauben im Weingut angenommen wurde und das, was uns noch bevorsteht in diesem wunderbar sonnigen Herbst.

Die Spätburgunder Trauben, die lange in der Heitersheimer Sonnhohle reifen dürfen, ergeben einen sehr eleganten Wein, der den Charakter und das sonnige Wetter Südbadens sehr gut widerspiegelt. Darum wird besonders viel Wert auf die Qualität des Lesegutes geachtet. Noch strenger als sonst muss Reife und Gesundheit der Trauben geprüft und gutgeheißen werden. Dementsprechend lang zogen sich diese beiden Lesetage hin und unsere „Herbschtler“ durften keine Kraft und Ausdauer scheuen, um sie erfolgreich zu Ende zu bringen. Doch wer viel schafft, der wird auch belohnt. Belohnt einerseits vom Erfolg und andererseits von dem wohl besten (Aus-)Blick bisher. Wen das Foto nicht überzeugt, mag sich doch mal in die Sonnhohle begeben um diese Jahreszeit und sich, wenn die Sonne langsam Adieu sagt, den Blick nach Westen schweifen lassen. Wer etwas Glück hat, bekommt ein Bild geboten, das sehr lange im Gedächtnis bleiben wird.
Sonnenuntergang

Lesetage 14 und 13

Lesetag Nr. 14 – SZ-Chardonnay
Die Sonne begrüßte unsere vielen fleißigen „Herbschter“ heute schon am frühen Morgen. Schnell zog sie uns die Jacken und Pullover aus und zauberte ein großes Lächeln auf die Gesichter.
Bis auf einen unglücklichen Tag war uns Petrus bisher immer gut gesonnen. Die allseits beliebten Chardonnay Trauben wollten immer wieder probiert werden. Dabei fiel uns allen auf, dass die eleganten, fruchtigen Aromen des Weines schon in der Beere ihr volles Potential eröffnen.
Diese Aromen beflügelten uns die längsten Rebzeilen von 225 Metern, die das Weingut Zähringer bewirtschaftet, bei denen das Ende nicht sichtbar war, zu meistern.

Lesetag Nr. 13 – Spätburgunder Rotwein oder das Killer-Wespennest
Zwar noch etwas enttäuscht vom regnerischen Vortag, jedoch nicht weniger enthusiastisch startete ich in meinen zweiten Lesetag. Wir machten dort weiter, wo wir gestern aufhören mussten. Diesmal mit eindeutig traumhaftem Wetter. Die knackige Sonne schwärzte unsere Nacken und tauchte die reifen Trauben in ein besonders schönes Licht. So konnten kleine Naschereien nur schwer verhindert werden und der Tag verging wie im Fluge – bis auf einen kleinen Zwischenfall. Eine unserer Auszubildenden schreckte ausversehen ein Nest von Erdwespen auf. Auch wenn sie schnell die Flucht ergriff erwischten sie zwei fiese Stacheln in der Schulter und im Unterarm. Zum Glück hatte eine unserer Lesehelferinnen zur schnellen Behandlung eine Zwiebel in der Tasche. So war der Schmerz schnell gelindert. Voller Aufregung und neuer Eindrücke ging mein zweiter Lesetag zu ende.

Lesetag Nr. 12 – Spätburgunder Rotwein
Mein erster Lesetag als neue Praktikantin beim Weingut Zähringer fiel leider sprichwörtlich ins Wasser. Auch wenn es am Morgen recht kühl und feucht war, starteten wir zuversichtlich in den Tag.
Bereits nach zwei kräftigen Lesestunden begann es leise zu nieseln. Zuerst hielt uns das nicht ab die prachtvollen Spätburgunder Trauben weiterhin in die noch so vielen leeren Kisten zu schneiden. Doch als die Tropfen schwerer und schneller wurden mussten wir unsere Lese doch unterbrechen. Mit der ganzen Truppe fuhren wir zurück ins Weingut um einen wärmenden Kaffee zu trinken. Voller Vertrauen warteten wir auf die laut Wetterradar angekündigte Verbesserung der Wetterlage.
Als es aufklarte fuhren wir schnell wieder in die Reben und „herbschteten“ was das Zeug hielt. Auch wenn wir zum Mittag noch strahlenden Sonnenschein hatten fing es dann doch wieder an zu regnen. Nach einer kurzen und letzten Wartezeit (in der keine Besserung in Sicht war) in unserer kleinen, gemütlichen und vorgewärmten Rebhütte wurde gemeinsam das Ende dieses Lesetages beschlossen.

Lesetag 11

Samstag 17.11.2011
Spätburgunder Klon Mariafeld und Weißburgunder Gutswein
Nach zehn ereignisreichen Lesetagen, hätten wir Samstagfrüh eigentlich noch im Bett sein müssen. Aber das sonnige Wetter und die Vorfreude auf den freien Nachmittag entschädigten uns dreifach für die Augenringe und müden Glieder. Im “Gumpistloch” trafen wir uns alle, um in einen halben Lesetag zu starten. Die Trauben präsentierten sich uns zum wiederholten Male von ihrer besten Seite. Wir alle sind nun schon ganz gespannt auf die Weine, die aus dem traumhaften Lesegut entstehen werden …
Mittag in den Reben

Lesetage 10 und 9

Lesetag 10
Die Sonnhohle. Wohl einer der schönsten Fleckchen, um dem Genuss des Weinlesens zu frönen. Voller Tatendrang zückten wir die Rebscheren, um die feinfruchtigen Träubchen ihrer wunderbaren Heimat zu entziehen. Diese werden nämlich die Grundlage unseres im Barrique gereiften SZ-Weißburgunders bilden.
Auch wenn das ständige „Schnipp-Schnapp“ der Scheren langsam zu einem permanenten Geräuschteppich zu werden drohte, diente das Wissen, zu einem der elegantesten Weine des Hauses Zähringer beitragen zu können, der allgemeinen Motivation.
Da wir weniger Lesehelfer hatten als geplant, musste jeder diese Motivation nutzen, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Obwohl wir mit einem sehr langen Tag rechneten, endete dieser früher und erfolgreicher als antizipiert und die gesamte Truppe konnte getrost und entspannt in das wohlverdiente Wochenende rutschen.

Spätburgunder

Lesetag 9
Badischer Hochsommer mitte September. Der erste Tag, an dem sich „entzwiebelt“ wurde. Frühmorgendlicher Kühle folgte praller Sonnenschein. Regenjacken und Gummistiefel wurden durch Hemdchen und Turnschuhe ersetzt. Dies war allerdings nicht die erste Premiere dieses Herbstes. Zum ersten Mal wurden nur die besonders schönen und reifen Trauben für den SZ-Spätburgunder gelesen. Der Fachterminus hierfür, die „positive Vorlese“, meint nicht das Erzählen moralisch bereichernder Gutenachtgeschichten, sondern die Bereicherung des Weinkellers mit dem Besten vom Besten.
Unser Ziel wurde erreicht, wenn auch die neuen Auszubildenden des Öfteren von Herrn Köpfer, unserem Betriebsleiter auf die Finger bzw. über die Schulter geguckt werden musste. Ob die Azubis nun absichtlich oder ungewollt noch unreife „Wintertrollies“, eigentlich genannt Geiztrauben, miternten wollten, hat bis heute niemand herausfinden können.

Karl & Volker sausen ins Wochenende

REBellion im Weinberg - Lesetag 8 Weissburgunder “SZ”

Erneut lud uns ein sonnig-heißer Tag im Zeichen des Altweibersommers zum Marsch in die Reben ein. Diesmal, um selektioniertes Lesegut des Weissburgunders einzuholen. Als Kind des Grauburgunders ist er nicht ganz so herb-würzig wie sein Vater, kann jedoch einen vollen, mit Äpfeln, Birnen, Quitten oder Aprikosen gespickten Körper ausbilden. Die an Zitrusfrüchte erinnernde Säure tritt eher in den Hintergrund. Durch die Selektion sollen zusätzlich nussig-mandelige Aromen das Bouquet abrunden. Welche der genannten Nuancen er am Ende des Jahres dem Weinliebhaber im Glase entgegenbringen wird, ist noch ungewiss. Ein klassischer Badner eben, der nach gegebener Ruhe im Barrique bei uns auf jeden Fall zu einem farbenfrohen Schmetterling heranreifen wird, welcher dann schmeichelnd auf der Zunge tanzt.

Aufgrund seiner Dünnhäutigkeit war größte Sorgfalt mit der Schere geboten. Die verstärkte Anfälligkeit gegen die Mehltaupilze ließ mit erhöhtem Ernteaufwand rechnen. Im gros legten sich uns aber erstaunlich gesunde Trauben in die Hand, welche den durch die vorangegangenen Arbeitstage leicht strapazierten Elan wieder erneuerten. Wir hatten alle einen anstrengenden, aber erfüllenden Lesetag. Zudem wusste Betriebsleiter Paulin Köpfer, just aus dem Urlaub zur verfrühten Lese heimgekehrt, einiges vom Ursprungsland des Weinbaus, Georgien, zu berichten. Von Spontanvergärung über Vinifikation in großen Tonamphoren bis zur herausragenden Gastfreundschaft dieses kleinen aber mit immenser Geschichte beladenen Landes gab es massig Gesprächsstoff. Es wurde nie langweilig.

Nach vollbrachter Lese wurde der jungen Garde des Zähringer Weingutes noch eine wichtige Aufgabe zuteil. Da unsere wertvollen Trauben zunehmend aus der Luft durch gefräßige fliegende „Terroristen“ attackiert wurden, mussten Gegenmaßnahmen getroffen werden, um die Autonomie der Sonnenhohle (Lage) zu sichern. Das Photo mag etwas in die Irre führen; es handelt sich nicht um Artillerie, sondern lediglich um Schreckschussvorrichtungen. Diese sind wirkungsvoll, aber harmlos. Es sei denn, ein Betberger Nachbar wird aus dem Mittagsschlaf gerissen.

REBellion

Lesetage Nr. 6 & 7 – Grauburgunder & Grauburgunder “SZ”

12. September 2011
Mit 15 leseeifrigen “Herbstlern” starteten wir gestern in einen vielversprechenden Tag. Nach einem etwas grauen Morgenhimmel, wärmte uns für den Rest des Tages die durch den Wind befreite Sonne, die bisweilen sogar eine der Nackenbräune bereits zuträglichen Stärke erreichte. Nur vereinzelt verdunkelten kleine Wölkchen den schönen Ausblick auf Schwarzwald und Vogesen.
In der Sonnhohle, Heitersheims Exklusivlage, erwarteten uns 20 Ar (2000 m²) Grauburgunder in ihrer ganzen Pracht. Die trotz ihrer rötlichen Färbung den Weißweinsorten zugeordneten Trauben erhalten ihren etwas seltsam anmutenden Namen von einem Überzug, der sie im richtigen Lichte matt-gräulich schimmern lässt.
Einige, sich dem Prinzip der Willkür unterordnenden, Beeren vereinzelter Trauben wiesen eine weiße Färbung auf und riefen so Verwunderung unter den neuen Auszubildenden und einigen Lesehelfern hervor. Die Erklärung hierfür lautet, dass der „Pinot Grigio“, wie man ihn in Italien nennt, sich gerne mal einer farblichen Mutation unterzieht.
Mit diesem neuen Wissen und einem herzhaften stärkenden Mittagessen im Bauch ging das Lesen munter weiter. Auch wenn uns an diesem Tag die Pflaster ausgingen und sogar einer unserer erfahrensten Weinkundler sich in den Finger „schnibbelte“, Brennnesseln uns eifrig neckten, Wespen sich über uns empörten, als sie ihr süßes Nest erbost verlassen mussten und die Sonne von oben auf uns herabbriet, vermochte nichts die Stimmung zu trüben. Die wunderbaren, reifen (und zu leckeren Naschereien einladenden) Trauben sorgten allerseits für Frohsinn und Munterkeit und der ganze Tag verging wie im Fluge. Zufriedenheit und ein wenig Müdigkeit besiegelten einen erfolgreichen und vielversprechenden Lesetag.

13. September 2011
Den Wetterberichten zum Trotz, hofften wir heute auf einen möglichst regenfreien Tag, denn die, vorab für die Selektion Zähringer “SZ” ausgewählten, Grauburgunder Trauben verdienen nur das beste Wetter für die Lese.
Da wir bei dem selektierten Grauburgunder nur die Hälfte von dem eigentlichen Betrag haben, waren wir trotz sauberer und genauer Arbeit schneller als gedacht. Noch vor Mittag hatten wir zwei Drittel geschafft. Ein paar verlorene Regentropfen in unserem Mittagessen sorgten dann kurzfristig für ein sorgenvolles Stirnrunzeln, doch die Zweifel verflogen genauso schnell wie die dunklen Wolken und Sonne erhellte für den restlichen Tag Sicht und Gemüter. Auch wurde die Lese vom kulturellen Austausch im Internationalen Team bereichert. Unterhaltsame Missverständnisse aufgrund verschiedener Sprachen und gar Dialekte sorgten für reichlich Spaß. Im Großen und Ganzen ein ruhiger und dennoch effektiver Lesetag, der in einem freien Nachmittag zum Kräftesammeln und Ausruhen ausklang.

Lesetag Nr. 4 und 5 – Sauvignon Blanc: 08. Und 09.September 2011

Weinlese 2011

Gestern haben wir etwas von „auf Punkt“ geschrieben. Diese Wendung müssen wir heute direkt noch einmal bemühen.

Keine zweite Rebsorte (jedenfalls soweit wir es wissen) macht ihren Charakter so stark vom Lesetermin abhängig. Noch grün und brennnesselig an dem einen Tag, lassen die Beeren zwei Tage später vielleicht schon mehr reife Stachelbeere oder gar Holunder erkennen, während wenig später bereits deutlich gelbfleischige Aromen ins Spiel kommen wie beispielsweise die Mango. Natürlich beeinflusst dies direkt den Typus des Weines- und da wir da sehr klare Vorstellungen haben, lassen wir uns auf gar keinen Fall davon abhalten, unseren gesamten Sauvignon Blanc in nur zwei Tagen hereinzuholen.

In welchem Stadium der Aromaentwicklung der Sauvignon Blanc stand, als wir ihn gelesen haben. Das müssen Sie dann leider selbst herausfinden. In wenigen Monaten als 2011er…

Auf dem Foto im Hintergrund übrigens der versprochene Südschwarzwald, wenn auch etwas wolkenverhangen. An dieser Stelle ein Lob an die Wetterverantwortlichen. Wir sind noch nicht einmal wirklich nass geworden, auch wenn es häufig danach aussah.

Ach ja: Dass wir uns hinreißend um unsere LesehelferInnen kümmern, die übrigens großartige Arbeit leisten (!), dafür ist dies Foto wohl auch beredtes Beispiel.