Weingenuß

Genuss

Alle Sinne des Menschen sind angesprochen, wenn wir uns genügend für den Wein öffnen und mit ihm in “Zwiesprache” treten. Zum Genießen ist Wissen hilfreich - was jedoch umgekehrt grundsätzlich gilt: Das Wissen des Fachmannes ist nicht grundsätzlich der Weg, vor allem nicht der einzige Weg zum Genuss.

Der Wein, der ein Werk der Natur ist und dessen Reifung von den Gefühlen und der Pflege des Winzers und Kellerwirtes begleitet wird, spricht alle Sinne zur gleichen Zeit an. Er setzt das Auge in Bewunderung wie ein Gemälde, beglückt den Geruchssinn wie ein verlockender Duft, erfüllt den Gaumen durch ausgesuchte Würze, und der Körper des Weines erinnert an die harmonische Plastizität einer Skulptur.

Sogar das Ohr nimmt an dem Fest teil, wenn der Korken “knallt” und die Gläser klingen. Alois Anklin schreibt dazu: “Menschenkenntnis ist eine schwierige Kunst, selten und kostbar. Nur in verständigem Umgang mit dem Menschen ist sie zu erlernen. Auch Weinkenntnis ist eine seltene Kunst. …

Das Ritual des Weintrinkens, das die Weinkenner entwickelt haben, ist nicht mehr als elementare Höflichkeit dem Wein gegenüber. Wer grüßt schon einen Menschen, ohne ihm in die Augen zu schauen? Auch der Wein will erst gesehen, besehen und begrüßt werden. Schon sein Gewand verrät viel über seine Eigenart. Wein ist ein transparentes Getränk, er ist durchschaubar.

Wie im weißen Glas, gegen das Licht gehalten, leuchtet er vom hellen Gold bis zum dunklen Rubinrot. Zwischen die Freuden des Auges und die Empfindungen der Zunge schaltet sich die Nase. … Den Wein sehen und den Wein riechen sind bloß andere Formen des Trinkens; denn jeder Sinn trinkt auf seine Art….”.