Pflanzenpflege

Die gesunde Rebe

Jede Krankheit oder Schädlings-Epidemie ist eine Reaktion der Natur, um Unstimmigkeiten innerhalb des Ökosystems auszugleichen. Es sind letztendlich Regelmechanismen zur Behebung der Störungen des natürlichen Lebens.

Bekämpft man Symptome, ohne die Ursachen zu kennen und zu beseitigen, werden sich die Probleme manifestieren. Die Unstimmigkeiten verschärfen sich sogar oft noch.
Das Prinzip des ökologischen Weinbaus ist: Vorbeugen statt bekämpfen! Die möglichen Ursachen von Krankheitserscheinungen oder einer Schädlingsvermehrung müssen erkannt und beseitigt werden, nicht einfach nur die Symptome.

Die Pflanzenpflege im biologischen Weinbau beruht daher viel mehr auf „indirekten Maßnahmen“, als nur auf direkten Spritzungen der Reben.

Gesunde Reben

Die aktive Prävention basiert vor allem auf:

• Förderung der Antagonisten, d.h. der natürlichen Gegenspieler von Schädlingen
• Genetisch bedingter Widerstandskraft
• Förderung der Vitalität durch gesunden Boden
• Stützung der Pflanzenresistenz durch unsere Kulturmaßnahmen

Grundsätzlich müssen wir unseren Blick noch weiter öffnen, wenn wir uns Gedanken zur Gesundheit der Reben machen. Ganzheitlich gesehen können wir die Rebe gar nicht von ihrem Umfeld isoliert betrachten. Erweitern wir unser Blickfeld, so erkennen wir noch wesentlichere Zusammenhänge und Einflussgrößen:

Die enge Verbindung zwischen den Pflanzen und dem Boden zeigt eindeutig, dass wir es mit einem „Pflanzen-Boden-Organismus“ zu tun haben. Dieser Organismus ist wiederum eingebettet in der nächst größeren Ordnung, dem Weinberg als Ganzes. Das gesamte System Weinberg muss gesund sein, um die Rebe zur vollen Entfaltung zu bringen.

Öffnen wir den Blick noch ein Stück weiter, stoßen wir auf die Faktoren Klima und Witterung. Wie wir alle wissen Faktoren mit entscheidendem Einfluss auf die Pflanzen und auf das daraus gewonnene Produkt Wein.

Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren, auch wenn hier die Wirkungen deutlich subtiler sind: die Einflüsse des Mondes, die Sternenkonstellationen und letztendlich sogar die Einbettung in den gesamten Kosmos.

Pflanzenpflege im Weingut Zähringer

Zuerst bemühen wir uns mit allen Mitteln den oben ausgeführten 5 Hauptaspekten der Rebengesundheit gerecht zu werden.

Das ökologische Umfeld mit viel Hecken, Feldgehölzen und bewachsenen Rainen ist im Markgräflerland bereits sehr positiv. Zumal wir in unserer Region keine großen geschlossenen Reb-Monokulturen haben, sondern Weinberge, Obstanlagen, Äcker und Wiesen, die im Landschaftsbild harmonisch ineinander fließen.

Hecken

Die vorhandenen Hecken werden sehr intensiv gepflegt, insbesondere der ökologisch wichtige Saumstreifen wird nur ganz extensiv gemulcht. Ferner haben wir Apfel-, Birnen- und Walnussbäume inselartig in oder zwischen den Rebparzellen gepflanzt.

Die vielseitigen und blühenden Weinbergsbegrünungen tragen weiter dazu bei, die intensive Belebung der Rebberge zu sichern. Mittels der Klopftrichtermethode können wir die Besiedlung regelmäßig überprüfen.

Klopftrichtermethode

Alleine die Einhaltung dieser Grundvoraussetzungen ermöglicht es uns ohne Probleme vollständig auf den Einsatz von Insektiziden zu verzichten.

Pilzbekämpfung

In der Erziehungsform haben wir einige Änderungen vollzogen: die Zeilenbreiten wurden von 1,6 m auf 2,0 m erweitert, der Laubwandansatz von ca. 80 cm auf 1 m erhöht. Dadurch sind unsere Reben besser durchlüftet und das Laub trocknet nach Niederschlägen schneller ab. Eine bessere Belichtung führt zu Abhärtung der Blätter, sie werden damit widerstandsfähiger. Die gründliche Laubpflege, intensives Ausbrechen, das teilweise Entlauben der Traubenzone und weitere Laubarbeiten unterstützen gleichfalls die bessere Durchlüftung und Belichtung der Rebanlagen.

Laubpflege

Auch in der Rebernährung sind wir weit weg von der einseitigen Kunstdüngerernährung. Wenn überhaupt Dünger in die Weinberge eingebracht wird, handelt es sich ausschließlich um Kompost. Der Wuchs der Reben und das Gedeihen der Trauben ist vielmehr das Ergebnis der natürlichen Bodenfruchtbarkeit, die wir in den Umstellungsjahren 1987 bis 1992 erfolgreich aufbaut haben. Sie wird weiter gepflegt durch ein ausgeklügeltes System von Bodenlockerung und Neueinsaaten.

Pilzbekämpfung

Die direkte Applikation von Pflanzenstärkungsmitteln ist ein weiterer wichtiger Faktor: im Weingut Zähringer kommen vor allem Schachtelhalm- und Brennesselauszüge zum Einsatz. Außerdem setzen wir zur weiteren Abhärtung der Reben Silikate (”Wasserglas”) ein. Nur bei den im letzten Jahrhundert nach Europa eingeschleppten Mehltaupilzkrankheiten stoßen wir an Grenzbereiche. Der echte (Oidium) und der falsche Mehltau (Peronospora) müssen häufig direkt bekämpft werden.

Mehltau

Die Bekämpfung erfolgt dabei keinesfalls prophylaktisch, sondern nach einem modernen Prognoseverfahren. Dazu haben wir eine eigene Wetterstation mit einem Thermohygrographen und einem Blattbenetzungsdauerschreiber installiert. Die Daten werden nach dem Peronospora-Risiko-Prognose-Modell “Oppenheim” verwertet.

Daraus wird dann ersichtlich, wie hoch die Gefahr und der Druck der Pilzkrankheit aktuell ist. Danach richten sich dann mögliche Behandlungen. Neben reinen pflanzlichen wie mineralischen Präparaten (z.B. Tonerde, Kräuterauszüge usw.) kommen dann in der kritischen Phase auch Schwefel- und Kupferhaltige Mittel zur Verwendung. Der Einsatz der Kupfermittel ist gemäß der ECOVIN-Richtlinien stark eingeschränkt.

Insgesamt gesehen ist die Gesundheit der Reben nicht nur eine Frage der Ertragssicherung. Unser Ziel als Weingut mit hohem Anspruch an das Endprodukt Wein ist vorrangig, die Grundlage für die Ernte von Trauben in bester Qualität zu schaffen (siehe auch Qualitätsmanagement).

Homöopathie & Biodynamik im Weingut Zähringer

Nach ersten Versuchen bereits in den Anfangsjahren der Umstellung auf den ökologischen Weinbau werden seit dem Jahrgang 2004 alle Flächen des Weingutes biologisch dynamisch bewirtschaftet.

Wir greifen dabei auf Arbeitshinweise zurück, die Rudolf Steiner vor mehr als 80 Jahren im seinem Landwirtschaftlichen Kurs formuliert hat. Diese Hinweise sind in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in der Landwirtschaft umgesetzt, aber auch für spezielle Kulturen wie dem Weinbau weiterentwickelt worden.

Das Potenzial dieser Methoden liegt vor allem darin, das Gedeihen der Rebe als Ganzes und die harmonische Einbettung in ihr gesamtes Umfeld positiv zu beeinflussen. Darin beruht auch ein direkter Zusammenhang zur Qualitätsförderung von Trauben und Wein.
Die Methoden werden in den nächsten Jahren, da zunehmend in diesem Bereich gearbeitet, geforscht und experimentiert wird, sicherlich noch weiter entwickelt.

Die Beachtung der Mondkonstellationen, insbesondere beim Rebschnitt, gehört schon seit 15 Jahren zur Selbstverständlichkeit im Weingut Zähringer.

Der Rebschnitt erfolgt ausschließlich in den Phasen des siderisch absteigenden Mondes (u.a. auch als Pflanzzeit bezeichnet).

Unsere Boden- und Pflanzenpflege wird seit 2004 ergänzt durch die Kombination von verschiedenen biodynamischen Präparaten.

Biodynamisches Arbeiten

Die biodynamischen Kompostpräparate werden als Fladenpräparat zu Beginn der Vegetationsentwicklung im Frühjahr ausgebracht.

Das Hornmistpräparat sprühen wir vor den Frühjahrseinsaaten als auch im Herbst nach dem Blattfall auf den Boden.

Der Hornkiesel kommt 2 – 3 x zur harmonischen Frucht- und Reifeentwicklung zum Einsatz.
Seit dem Jahr 2006 arbeiten wir darüber hinaus mit Potenzen von veraschter Peronospora. Hier kommt das Prinzip der Isopathie zur praktischen Verwendung: veraschtes Pilzmaterial wird dabei auf C 12 hochpotenziert und mit den biologisch-dynamischen Präparaten ausgebracht.