Gutedel
Synonyme:
Chasselas (Elsaß), Fendant (Schweiz - Wallis), Perlan (Genfer See), Dorin (Waadtland), Chasselasdere (Spanien), Fabian (Ungarn), Tribianco (Italien), Queen Victoria (England),
Verbreitung:
Vorwiegend Westschweiz, Baden - Markgräflerland, Elsaß. Wenig in Spanien, Österreich, Osteuropa, Neuseeland, Kalifornien, Sachsen
Herkunft:
Ägypten. Vergleichbare Sorten finden wir in der Oase El Fajum bei Kairo. Der Gutedel soll dort schon vor 5.000 Jahren angebaut worden sein und wäre damit eine der ältesten Traubensorten überhaupt. Ein Diplomat unter Franz I am Hofe Sultan Suleimans II namens Vicomte d’ Auban soll den Gutedel im Jahre 1523 von Konstantinopel nach Frankreich gebracht haben. Von dort hat ihn General Courten unter Ludwig XV. von Fontainebleau in die Schweiz nach Vevey gebracht. Im frühen 17. Jh. kam er nach Württemberg und Franken. Markgraf Karl Friedrich von Baden brachte ihn um 1870 von Vevey ins Markgräflerland. Hier nannte man ihn deshalb umgangsprachlich zunächst “Viviser”, dann Markgräfler, später Gutedel. Er ersetzte den Elbling, der bis dahin im Markgräflerland angebaut wurde.
Merkmale von Rebe und Traube:
Rötliche Triebspitze, große, rötliche Ranken, mittelgroße, hellgrüne, fünflappig gebuchtete Blätter mit rot gefärbten Adern und scharf gesägten Blatträndern. Große, grüne bis gelbe, wohlschmeckende Tafeltrauben mit dünner aber fester Schale. Wurde im Durchschnitt der letzten 10 Jahre in Baden mit 69° Oechsle geerntet.
Eigenschaften von Rebe und Traube:
Reift mittelfrüh, wird im allgemeinen direkt nach dem Rivaner (Müller-Thurgau) in der zweiten Herbstwoche geerntet. Ist empfindlich gegen Peronospora und Stiellähme.
Charakterisierung des Weines mit Speisen- und Lagerempfehlungen:
Leichte, alkoholarme, säurearme, daher bekömmliche Weine, die ideale, universale Essensbegleiter sind. Der Duft ist blumig und fruchtig (grüner Apfel, Zitronen, Stachelbeere, …) Brotkruste, Kräuter und Gewürze (Zitronenmelisse, Minze). Der Geschmack ist weich, geschmeidig, gefällig, rund, streichelt den Gaumen, wie Seide die Haut. Wird dann erdig, erinnert an Mandeln und Walnüsse, …
Beim Ausbau im Faß entwickelt er zusätzlich Aromen und Geschmackstoffe, die an Südfrüchte erinnern (Mango, Papaya, Bananen, …), beim Ausbau “sur lie”, einer längeren, 3 bis 6 monatigen Lagerung auf der Feinhefe wird er vollmundig, breit strukturiert, mit universellen zarten, dezenten, reizvollen unaufdringlichen Duft und Geschmackskomponenten.
Speisenempfehlungen:
vorwiegend empfohlen zu leichten Speisen, wie z.B. gedünstetem Fisch, Vorspeisen, hellen Fleischspeisen, Geflügel, gekochtem und blanchiertem Gemüse, … Servieren Sie ihn möglichst kühl bei ca. 8 °C.
Lagerempfehlungen:
Bei längerer Lagerung etwa nach 3 bis 4 Jahren bildet sich ein Reifegeschmack mit leicht oxydativem Charakter, der früher sehr, heutzutage nicht mehr so sehr geschätzt wird. Wir empfehlen daher, dem neuen Trend zu folgen und den Gutedel möglichst frisch zu trinken, ihn also höchstens 3 Jahre zu lagern. Ideal wäre eine Lagertemperatur von 10 bis 12 °C.
